
[von Thomas Harloff, MotorVision]
Als ich die aktuelle Ausgabe der „Motor Klassik“ durchblättere, stoße ich plötzlich auf eine Seite zum Ausklappen. Ein Centerfold für Oldtimerfans statt für Playboy-Jünger, sozusagen. Dort aufgelistet: Die Neuerscheinungen des Autojahres 1978 – jener Autos also, die nun das Oldtimeralter erreichen. Beim näheren Hinsehen fällt auf, dass die einzelnen Zeilen und Spalten doch recht spärlich bestückt sind. Heute sieht das alles ein wenig besser gefüllt aus, denke ich mir, und ziehe den Neuheitenkalender für 2008 aus der „auto,motor und sport“ zum Vergleich heran.
Und tatsächlich: Zwar sind mit Autobianchi und Rover zwei traditionsreiche Marken von einst auf Nimmerwiedersehen verschwunden, dafür mit Brilliance, Hummer, Hyundai, Kia und Co. einige neu hinzu gekommen. Viel interessanter ist aber ein Vergleich innerhalb der Marken: So stellt Audi mit dem 100 SS und dem 80 B2 ganze zwei neue Modelle vor; 2008 sind es deren 13! Ähnlich die Bilanz bei Fiat (12 statt 3), Ford (11 statt 4), Mercedes und Renault (10 statt 2) etc. Mal naiv gefragt: Ist man heute produktiver oder gar kreativer?
Ersteres stimmt sicher, Letzteres bedingt. Schließlich ist die neuerliche Fluktuation auf dem Automarkt einerseits auf viel kürzere Modellzyklen zurückzuführen, andererseits aber auch auf das Bestreben vieler Hersteller, möglichst viele Segmente zu besetzen. Kreativität wird dann oft vorgegaukelt, indem man bei Bedarf neue Nischen einfach erfindet. Beispiel BMW: Da wird mal eben ein Auto wie der X6 auf den Markt geworfen, nur um die Fahrzeuggattung „Offroad-Coupé“ zu erfinden. Alltagsnutzen, Design, ökonomischer und ökologischer Anspruch? Alles eher zweifelhaft. Das führt mich zu der Frage: Wieso besinnen sich die Hersteller nicht wie damals auf ihre Kernkompetenzen? Warum baut Mercedes nicht „nur“ komfortable Autos, konzentriert sich BMW auf dynamische Modelle, und bieten VW und Opel vor allem erschwingliche und auf´s Wesentliche beschränkte Autos an? Schade, dass derzeit jeder alles machen will – Identitätsverlust inklusive.
Übrigens: Ferrari bringt dieses Jahr nur ein, Porsche nur zwei neue Modelle auf den Markt. In Maranello und Zuffenhausen weiß man, welche Qualitäten die eigene Marke ausmachen und was man besser bleiben lässt. Und rentabler als diese beiden Unternehmen agiert derzeit wohl kein anderer Autohersteller.
[Foto-Quelle: Audi]




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